Besuch bei Brando und seiner Familie

Besuch bei Brando und seiner Familie

Seit über 4 Jahren sind Claudia und Thomas die symbolischen Paten von Brando. Da Claudia das erste Mal in Haiti war, freute sie sich auf einen Besuch bei Brandos Familie. So haben wir Brando nach der Schule nach Hause begleitet. Der Weg dazu ging in einer engen, mit Schutt und Abfall überfüllten Allee zwischen zwei Mauern, die mit Stacheldraht bedeckt waren. Wer dahinter die Villen von reichen Haitianern erwartet, täuscht sich. Es ist leider in Haiti üblich, selbst unbebaute oder – was die Regel ist – halbfertige Häuser mit hohen Mauern und Stacheldraht zu umzäunen. Häufig kam es uns vor, als wäre die Mauer wichtiger als was dahinter ist…

Das bescheidene Haus von Brandos Familie war dagegen nicht umzäunt, sondern hatte – obwohl es eigentlich nur aus einem rund 10m2-Raum besteht, eine recht einladende Veranda (vgl. untenstehendes Foto, Brando ist der älteste Sohn gleich neben Claudia). Damit hat es sich aber mit dem Luxus. Die Familie lebt in sehr ärmlichen Verhältnissen und sowohl die Mutter – die durch das Stillen des kleinsten Geschwister von Brando geschwächt aussieht – wie auch der Vater sind arbeitslos. Er bemüht sich intensiv um eine Arbeit und kam am Tage unseres Besuches auch erst später mit gebügelten Hemd und Aktentasche von der Arbeitssuche zurück. Hoffnung, bald etwas zu finden, hat er keine. Erstaunlich, dass er trotzdem weitermacht und sein Äusseres sehr gepflegt wirkt. Trotz seiner Frustration über die schlimme wirtschaftliche Lage in Haiti macht er niemanden Vorwürfen. Allgemein fällt uns in Haiti immer wieder auf, dass nie nach Sündenböcken gesucht wird, und auch verspürten wir nie einen latenten oder offenen Rassismus – wie er z.B. in der benachbarten Domenikanischen Republik – wo Hunderttausende haitianische Gastarbeiter/innen rechtlos ausgebeutet werden – leider verbreitet ist.

Die Freude von Brando über unser Geschenk – ein Schulsack prall gefüllt mit Schulutensilien – war gross. Der Rest der Familie (und sicher auch er) freute sich über die Kambly-Guetzli, die wir aus der Schweiz mitbrachten. Natürlich wären sie auch sehr dankbar gewesen für direkte finanzielle Unterstützung, was wir jedoch aus grundsätzlichen Gründen – andere Familien wären dann allenfalls neidisch bzw. würden sich übergangen fühlen – nicht leisten. Durch die Schule erhält Brandos Familie – neben dem für Haiti sehr ungewöhnlichen unentgeltlichem Schulbesuch – mit den zwei täglichen Mahlzeiten eine indirekte Unterstützung, welche das Familienbudget stark entlastet. In seinem Fall ging unsere Hilfe noch viel weiter: als Brando vor einigen Jahren von einem Auto angefahren wurde, wäre er wahrscheinlich gestorben oder zumindest heute schwer behindert, hätten wir nicht durch die Schule die notwendige teure Operation im Privatspital organisiert bzw. deren hohe Kosten übernommen. Die Dankbarkeit der Eltern darüber war etwas vom Schönsten, was wir für unser Haiti-Engagement bisher erfahren durften.

Eine Patenschaft für eines unserer Kinder ist also nicht nur eine lohnenswerte Investition in deren Zukunft, sondern kann auch Leben retten. Engagieren Sie sich mit Spenden oder der Übernahme einer Patenschaft!

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